Im städtebaulichen Gutachterverfahren zum Neuen Bahnhofsquartier Gransee haben wir einen Entwurf erarbeitet, der die Lage südlich der Straße des Friedens als Chance begreift. Wohnen entsteht in kurzer Distanz zum Bahnhof und zur Altstadt. Gleichzeitig entsteht ein öffentlicher Freiraum, der dem gesamten Ort zugutekommt.
Unsere Leitidee nennen wir „Granseer Maßstab – Transformation und Addition“. Aus der Geschichte als Ackerbürgerstadt leiten wir die Hofstrukturen ab. Es sind klar gefasste, private Innenbereiche, die nach außen öffentliche Räume bilden. Aus der Gegenwart lesen wir die Gartenkultur. Sie reicht von Hausgärten bis zu den Kleingärten am Bahndamm. Beides übertragen wir in das neue Quartier und ergänzen es um gemeinschaftlich nutzbare, autoarme Zwischenräume. Der Freiraum wird damit nicht Beipack, sondern das ordnende Grundgerüst.
Städtebaulich gliedern wir das Gebiet in drei von Nordwest nach Südost verlaufende Bebauungsstreifen. Zwischen ihnen liegt ein Grün- und Freiraum als „Garten für Gransee“. Er verbindet den Quartierseingang an der Straße „Zu den Binnenhufen“ bis zu den bestehenden Kleingärten, die wir erhalten und einbinden. Der Park schafft Begegnungsorte für unterschiedliche Altersgruppen. Er stärkt sichere Fuß- und Radwege. Er verankert die Entwicklung im Alltag der Nachbarschaft. Spiel- und Bewegungsterrassen begleiten die Wege. Am Bahnhofsvorplatz ist ein Jugendort mit Skate- und Parcoursangeboten vorgesehen, mit direkter Anbindung ins Quartier.
Die Wohnhöfe organisieren sich als kleine Nachbarschaften. Mehrere Gebäude gruppieren sich um einen gemeinschaftlichen Hof. Die Typologien sind gemischt, um unterschiedliche Wohnformen und Lebensphasen zu ermöglichen. Die Erschließung erfolgt über eine beidseitig befahrbare Ringerschließung. Stellplätze bündeln wir, damit Höfe und Wege autoarm bleiben. In der letzten Entwicklungsphase kann eine Quartiersgarage mit ergänzenden Mobilitätsangeboten hinzukommen.
Den Freiraum verstehen wir zugleich als ökologische Infrastruktur. Niederschlagswasser bleibt weitgehend im Quartier. Retentionsmulden in den Höfen, artenreiche Gründächer und Zisternen zur Bewässerung helfen dabei. Offene Gräben leiten überschüssiges Wasser in ein Versickerungsband entlang des Parks. Ergänzend prüfen wir Pflanzenkläranlagen, die Grauwasser aufbereiten und dem Wasserkreislauf zurückführen. Der zentrale Park wirkt so als Verdunstungsfläche und klimatischer Ausgleichsraum.
Artenvielfalt entsteht durch ein vernetztes System aus bestehenden und neuen Gärten, standortgerechten Wiesen- und Staudenflächen sowie Gehölzen mit essbaren Früchten. Kompostflächen schließen Nährstoffkreisläufe. Für die Umsetzung schlagen wir eine vierphasige Entwicklung vor, bei der jeder Bauabschnitt eigenständig funktioniert. Eine Info-Box kann den Prozess transparent begleiten. Energetisch prüfen wir den Anschluss an das Holzhackschnitzelwerk oder eine Geothermieanlage. Ein Standort wird im Südosten freigehalten. So verbindet unser Entwurf städtebauliche Ordnung, soziale Nachbarschaft und klimaresiliente Freiräume als robustes Angebot für Gransee, heute und morgen.